Die Meister der Bratpfanne

Die Meister der Bratpfanne

Es ist wahrscheinlich nicht die schlaueste Entscheidung, einen unerträglich heißen Sommertag auf dem Tennisplatz zu verbringen. Vor allem nicht, wenn es 36 Grad im Schatten hat. Und ganz bestimmt nicht, wenn man nicht mit einem Schläger, sondern mit einer handelsüblichen Bratpfanne Tennis spielt. Es gibt aber trotzdem ein paar wenige Verrückte, die so etwas machen.

Seit dem 18. Juli 2015 gehören auch unsere Nachwuchsspieler Maximilian Halbweis, Bernhard Paschinger und Florian Wurzinger diesem erlauchten Kreis an. Einer von Bernis Arbeitskollegen hatte nämlich für diesen Tag mit ein paar Kollegen auf der Tennisanlage in Aschach an der Steyr das „1. Aschacher Bratpfannenturnier“, zu dem Hobbyspieler von jung bis alt eingeladen waren, organisiert. Berni rührte sofort auch in Feldkirchen die Werbetrommel für dieses gesellschaftliche Großereignis und konnte mit Max und Flo schnell zwei Spieler dafür begeistern. Wie genau dieses Turnier ablaufen würde, wusste keiner so recht, lediglich Bratpfannen und Kochschürzen waren mit im Gepäck, das wurde vom Organisationsteam so vorgeschrieben.

Nichtsahnend, dass dieser Tag ein großer in der Geschichte des Bratpfannensports werden würde, steuerten wir den Aschacher Tennisplatz an, ein wahrer Glutofen, der dem gefürchteten 4er-Platz bei uns in Feldkirchen um nichts nachsteht. Kurz vor dem Turnierstart wurden die Regeln erklärt: Gespielt wurde im Halfcourt, gewonnen hat jenes Doppel, das zuerst 11 Punkte erzielt. Spielgerät ist natürlich die Bratpfanne, und wehe, es vergisst einer bei diesen Temperaturen auf die Kochschürze.

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Viele Spieler der insgesamt 10 Doppel glänzten dadurch sowohl mit besonders schrägen Outfits als auch mit guten Schlägen, wobei jeder selbst die beste Technik für seine Pfanne erst herausfinden musste. Manche bedienten sich sogar eines Griffbands, um besseren Halt zu erlangen.

Ein besonderes Highlight gelang den Organisatoren mit der Einführung der „Handicap-Regel“: Wenn ein Doppel schlichtweg besser war als das andere, versuchte man, ihren Spielfluss mit fiesen Tricks zu unterbrechen. Dazu gehörte beispielsweise das Umhängen eines schweren Rucksacks, das Festbinden der Pfanne auf der schwächeren Hand, oder, besonders gemein, das Abkleben von einem Auge. Dies irritierte die Spieler meistens so sehr, dass sie mit ihrer Beeinträchtigung keinen Ball mehr trafen.

Nicht zuletzt deswegen schied das Duo Paschinger/Halbweis äußerst unglücklich in der Vorrunde aus, während Flo mit seinem zugelosten Partner aus Aschach das Halbfinale erreichte. Dieser konnte jedoch aus zeitlichen Gründen nicht mehr am Spielgeschehen teilnehmen, weshalb sich Flo einen neuen Partner suchen musste. Die Wahl fiel auf Berni, der an diesem Nachmittag sehr durstig war und in der Vorrunde auch dementsprechend spielte. Wie durch ein Wunder war er im Halbfinale aber vom ersten Punkt an sehr konzentriert und begeisterte die Massen mit seinen technisch hochwertigen Schlägen. Nach einer grundsoliden Vorstellung konnte das Duo Paschinger/Wurzinger die Halbfinalpartie gegen ein Aschacher Doppel für sich entscheiden und ins mit Spannung erwartete Finale des 1. Aschacher Bratpfannenturniers einziehen. Damit hätten wir anfangs wirklich nicht gerechnet.

Im Finale spielten Max und Flo miteinander, so wie es vor dem Halbfinale vereinbart wurde. Gespielt wurde dem Finale entsprechend auf 2 gewonnene Sätze bis 11, Gegner waren zwei Burschen aus der Nähe von Aschach, die ebenfalls genauso überrascht waren, im Finale zu stehen, wie wir selbst. Zumindest was das Outfit betraf waren uns die beiden überlegen, ihren Kochhauben und vor allem den muskulösen Oberkörpern hatten wir wenig bis gar nichts entgegen zu setzen. Das Spiel an sich war aber vollkommen ausgeglichen: Die Köche, wie wir sie nannten, konnten sich schnell einen Vorsprung herausspielen, den sie bis zum Ende des ersten Satzes nicht mehr hergaben, obwohl es zum Ende hin nochmal eng wurde. Der zweite Satz war noch spannender: Gegen Ende des Satzes wendeten sich die meisten Zuschauer auf unsere Seite und feuerten uns frenetisch an. Nicht, um unsere Gegner zu verunsichern, sondern weil sie unbedingt einen dritten Satz sehen wollten. So gut wie alle wurden spätestens im Finale vom Bratpfannen-Virus infiziert, keinen hielt es mehr auf den Sitzen.

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Der Wunsch nach einem dritten Satz wurde erhört: Nach einem diskussionswürdigen Aus-Ruf vom ansonsten souveränen Stuhlschiedsrichter Bernhard Paschinger konnten Max und Flo eine heikle Phase überstehen, sogar einen Matchball abwehren und schließlich den zweiten Satz gewinnen.

In den Satzpausen waren die Organisatoren sehr dahinter, den maroden Elektrolythaushalt der Finalisten wieder auf Vordermann zu bringen und servierten umgehend ein Seidl Bier für alle. Dann ging es in den Entscheidungssatz, den wir klar dominierten. Nach ein paar Anläufen gelang es, den Matchball zu verwandeln. Der Rest ist Geschichte.

Die vollkommen ungläubigen Feldkirchner Legionäre hatten tatsächlich im weit entfernten Aschach an der Steyr das Bratpfannenturnier gewonnen und wurden vom fairen Publikum und den grandiosen Finalgegnern gefeiert. Bei der Siegerehrung erhielten wir zwei tolle Pokale, obwohl wir bewiesen, dass man Doppel-Titel auch zu dritt gewinnen kann. Berni durfte sich aber mit dem Gewinn der Seidl-Wertung trösten.

Mit den Pokalen und vielen einzigartigen Erinnerungen im Gepäck traten wir nach ausführlicher Analyse des Turniers den Heimweg an. Nach einer Anreise ohne große Erwartungen wurde uns auf der Rückreise schnell klar, dass wir im Finale nicht das letzte Mal Bratpfannentennis gespielt haben, wurden wir doch vor Ort schon dazu aufgefordert, im nächsten Jahr unseren Titel zu verteidigen. Unabhängig davon sind wir der festen Überzeugung, dass ein derartiges Turnier auch bei uns in Feldkirchen für ähnlich viel gute Laune sorgen könnte, wie es in Aschach an der Steyr so wunderbar gelungen ist.

 

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